Meßgewänder für die Wallfahrt in TrutzhainAcht Studenten, 24 Entwürfe und eine Siegerin Trutzhain/Kassel/Fulda. Eine besondere Überraschung gab es für die 24jährige Studentin der Kasseler Werkakademie für Gestaltung, Carolin Bescherer aus Kassel. Ihr Entwurf der Meßgewänder für die Wallfahrt in Trutzhain fand den Zuspruch einer Jury unter Vorsitz von Pfarrer Diethelm Vogel, der das Projekt auch theologisch begleitet. Carolin Bescherer ist eine von acht Studenten, die im dritten Semester im Studium zum Gestalter im Handwerk, das Projekt Meßgewänder für die Wallfahrt in Trutzhain durchführen. Unter Leitung des Textildesigners Reimer Hennings entwarfen die Studenten 24 Gestaltungsansätze und 24 Stoffmusterproben.
„Wir waren von der guten Qualität der vielen Entwürfe sehr angetan“, sagte der Trutzhainer Pfarrer Diethelm Vogel. In mehreren Arbeitsschritten und der inhaltlichen Auseinandersetzung entschied sich die Jury für Carolin Bescherers Entwurf, der weiter verfeinert wurde. Nach diesen Entwürfen webt nun die Trutzhainer Weberei Rudolf Egelkraut die speziellen Stoffe exklusiv für die Gewänder. Schon vorab hatte Webmeister Helmut Egelkraut erste Stoffmuster gefertigt, um das Zusammenwirken von Material und Farbe sowie die Möglichkeiten seiner Weberei den Studierenden zu verdeutlichen. Aus der Zusammenarbeit mit dem Textildesigner, den Studenten und dem Webmeister entwickelten sich gemeinsame Lösungsansätze, die nun in verschiedenen Stoffen sichtbar werden. „Das Zusammenwirken von Gestaltung und Fertigung an einem solch anspruchsvollen Projekt ist eine echte Herausforderung“, bekannte Egelkraut, der auf über 40 Jahre Berufserfahrung zurückblickt.
In dem Projekt flössen viele Aspekte zusammen, meinte Pfarrer Vogel. Die Quinauer Wallfahrt in Trutzhain ist nicht nur die Wallfahrt im Pfarrverbund Maria Hilf, Schwalmstadt, zu der die katholischen Kirchengemeinden in Treysa, Ziegenhain, Frielendorf, Schrecksbach, Neukirchen, Oberaula und Trutzhain gehören. Sie ist auch die einzige Wallfahrt in der nordhessischen Diaspora und steht sinnbildlich für viele katholische Gemeinden in Nordhessen, die erst nach dem Krieg entstanden sind. Den Ursprung hat die Wallfahrt 1342 in Quinau im Böhmerwald, in der heutigen Tschechischen Republik. Flüchtlinge und Heimatvertriebene hatten die Wallfahrt mit nach Trutzhain gebracht und in der politisch jüngsten hessischen Gemeinde, die aus einem Kriegsgefangenenlager entstanden ist, beheimatet.
Seit 1949/1950 wird die Wallfahrt in Trutzhain gefeiert und ist in besonderer Weise eine Brücke des Glaubens für Menschen die unterwegs sind, meinte Pfarrer Vogel auch mit Blick auf die Wallfahrtskirche die als Zeltkirche gebaut ist. „In den Gewändern sollen sich mehrere Aspekte vereinen. Einerseits sollen die Wurzeln und der Neuanfang sowie andererseits das Zusammenfinden und auch die Gemeinsamkeiten wiederzufinden sein“, sagte Vogel, ohne weitere Details zu verraten. Zur Wallfahrt am 6. Juli 2008, zum Fest Mariä Heimsuchung, sollen die Meßgewänder erstmals in Trutzhain getragen werden. Aber zunächst müssen die Gewänder von Schneidermeisterin Ingeborg Bechstedt und den Studenten in Kassel genäht werden.
An dem Projekt arbeiten die Handwerkskammer Kassel mit der Kasseler Werkakademie für Gestaltung, die Weberei Rudolf Egelkraut, das Bistum Fulda und die katholische Pfarrkuratie Maria Hilf, Trutzhain zusammen. 04.04.2008Bischöfliche Pressestelle, 36001 Fulda / Postfach 11 53 / Telefon: 0661 / 87-299 / Telefax: 87-568 / E-Mail: presse@bistum-fulda.de / Internet: www.bistum-fulda.de / Redaktion: Christof Ohnesorge.
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