Die Augen niemals vor der Not verschlossen

Bischof Algermissen predigte beim SkF-Jubiläum in Kassel

Kassel (bpf). Wie die hl. Elisabeth von Thüringen mit den Augen Christi auf die ihr anvertrauten Menschen geblickt habe, so setzten sich auch die im „Sozialdienst katholischer Frauen“ im Bistum Fulda zwischen Kassel, Marburg, Fulda und Hanau ein. „Zumeist still und unerkannt nehmen sie Anteil an Leid und Angst von Frauen, die nicht mehr ein noch aus wissen, und helfen ebenso kompetent wie effektiv.“ Dies hob der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch in der Pfarrkirche St. Elisabeth in Kassel hervor. In einem Pontifikalamt aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums des örtlichen Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) betonte der Oberhirte, die Mitarbeiterinnen des SkF hätten ihre Augen vor der Not nie verschlossen. „Das gilt hier in Kassel nunmehr seit über 100 Jahren bis heute, wo wir mitten unter uns seit geraumer Zeit zunehmend Fiebersymptome einer kranken Gesellschaft feststellen“. Algermissen nannte verwahrloste Elternhäuser, überforderte Mütter und Väter, Kinderarmut, Jugendarbeitslosigkeit, die größer werdende Zahl von Hartz-IV-Empfängern, auch vereinsamte alte Menschen, die wochenlang tot in ihrer Wohnung lägen, ohne daß sie vermißt würden. Tatsächlich seine Einsamkeit und Isolation heutzutage besonders in den großen Städten ein schweres Problem.

 

Durch ihr Hinschauen auf das Elend vollzögen die Mitarbeiterinnen des SkF Kassel „den entscheidenden Mentalitätswandel, der durch ein Absehen von sich selbst und ein Zuwenden zum Nächsten gekennzeichnet ist“. Der Bischof dankte ihnen ausdrücklich für dieses missionarische Zeichen der Kirche hinein in eine Welt mit vielen Fragen und Wunden. „Was Sie hier in Kassel angesichts all der Herausforderungen leisten, ist ein geistliches Geschenk an unser Bistum Fulda!“, rief er den Frauen zu. Seinen „tiefen persönlichen Dank“ verband Algermissen mit der Bitte um weitere deutliche „Beobachtung der Horizontalen“. Denn wo von Mitarbeiterinnen etwa nur optimale Dienstleistungen erwartet würden, leide die innere Kraft eben dieser Leistungen. „Es muß unbedingt im Miteinander eines lebendigen Glaubens nachwachsen können, was im sozial-caritativen Engagement, im Einsatz für Menschen abgegeben wurde“, gab der Fuldaer Bischof zu bedenken.

 

Liturgie und Caritas-Diakonie seien miteinander verwoben und bedingten einander, wie die beiden Brennpunkte einer Ellipse, hatte Bischof Algermissen am Anfang seiner Predigt herausgestellt. Liturgie, „Quelle und Gipfel“ allen Tuns der Kirche, müsse notwendig übergehen in die Haltung des Dienens, in Anteilnahme am Leben der Menschen auf Augenhöhe. „Liturgie ohne konsequente Caritas bliebe ein bedeutungsloses Glasperlenspiel. All die festlichen Hochämter wären nur mehr eine leere Hülle.“ Aber auch ein bloßer kirchlicher Sozialdienst ohne Rückbindung an Jesusnachfolge und Fundierung im Gottesdienst würde bald „zum leeren Management entarten“. In diesem Zusammenhang erinnerte der Bischof an Zeugnis und Nachfolge der Heiligen, insbesondere ihr Sich-Einlassen auf Jesus Christus, wie er am Beispiel der hl. Elisabeth von Thüringen darlegte, deren 800. Geburtstag im letzten Jahr gefeiert wurde. „Was an dieser Heiligen bis heute fasziniert, ist die ungewöhnliche Perspektive, mit der sie auf die Menschen schaute. Sie durchbrach in ihrem Denken, Urteilen und Verhalten Standesschranken ihrer Zeit. Sie schaute gleichsam mit den Augen Gottes auf die ihr anvertrauten Menschen.“

 

Wer dem Evangelium wirklich traue, deute laut Bischof Algermissen viele Dinge in einem anderen Licht. So sehe er in den Kranken und Armen nicht nur ein soziales Problem, sondern den gegenwärtigen Christus. „Denken wir an das große Gleichnis vom Endgericht, dessen Pointe darin besteht, daß man in den Kleinen und Geringen – bewußt oder unbewußt – Christus dient.“ Dies sei besonders deutlich in der Gerichtsrede des Evangelisten Matthäus, die als letzte ausführliche Unterweisung Jesu an seine Jünger vor der Passionsgeschichte plaziert sei, um ihre entscheidende Bedeutung hervorzuheben. Es sei eine drängende Frage, wie die hl. Elisabeth entgegen allem Brauch ihrer Zeit und gegen alles, was sie als Gewohnheit und Selbstverständlichkeit umgab, so wahr und authentisch Mensch sein konnte. „Weil Jesus Christus ihr nicht eine ferne Gestalt, sondern Heiland und Bruder ihres Lebens war, darum konnte sie von ihm her den Menschen als Abbild Gottes entdecken.“ Die große Heilige sei im Grunde nur zu verstehen, wenn man ihre Christusfrömmigkeit als Quellgrund ihrer Menschenfreundlichkeit erkenne, so der Oberhirte.

16.04.2008

Bischöfliche Pressestelle, 36001 Fulda / Postfach 11 53 / Telefon: 0661 / 87-299 / Telefax: 87-568 / E-Mail: presse@bistum-fulda.de  / Internet: www.bistum-fulda.de / Redaktion: Christof Ohnesorge.
Aktuelles
Traditioneller Neujahrsempfang des Bistums

„Die Kirche in Deutschland, natürlich auch die fuldische Kirche, ist längst nicht mehr einfach Volkskirche. Sie ist auch noch nicht wirklich missionarische Kirche.“ Dazu müsse gehören, daß Kirche in dieser Zeit lebt, daß sie die Zeichen der Zeit deute und als Zeit-Zeichen wahrnehme. Dies betonte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag, 1. Januar, beim traditionellen Neujahrsempfang im Fuldaer Priesterseminar.

Buch über das Bischöfliche Konvikt in Fulda erschienen
"Das Bischöfliche Konvikt zu Fulda. Ein Lebensbild des ehemaligen Bischöflichen Internates zu Fulda in den Jahren 1950 bis 1980" - so lautet der Titel des Buches.
domradio: Jetzt auch in Fulda auf UKW
Das domradio kann man jetzt auch im Großraum Fulda über die UKW-Frequenz 99,2 MHz  hören.
Bischof Heinz Josef Algermissen predigte an Silvester im Fuldaer Dom
„Unsere Pastoralverbünde mit ihren Gemeinden werden dann bereichernd als Kirche vor Ort erlebt und erfahren werden, wenn jede Gemeinde und jede Gruppe sich als Teil der großen katholischen und apostolischen Kirche empfindet.“ - so Bischof Algermissen in seiner Predigt am Silvestertag.
Lourdes-Wallfahrt der hessischen Bistümer
Vom 11. bis 15. Juni 2009 wird wieder eine gemeinsame Lourdes-Wallfahrt der Bistümer Fulda, Limburg und Mainz für Gesunde, Behinderte, Kranke und Pflegebedürftige stattfinden.
Bonifatiuswerk beschließt Bauhilfen 2009 – vier Projekte im Bistum Fulda
Mit 4.686.000 Euro bezuschußt das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken im Jahr 2009 insgesamt 91 Projekte in der deutschen, nordeuropäischen sowie baltischen Diaspora.
Bistumshaushalt 2009
Den Bistumshaushalt 2009 hat der Diözesan-Kirchensteuerrat auf seiner jüngsten Sitzung in Fulda verabschiedet. Mit 111,5 Millionen Euro liegt das Etatvolumen rund 706.000 Euro (0,63 Prozent) über dem Ansatz des Jahres 2008.
Stellungnahme
Stellungnahme von Bischof Heinz Josef Algermissen zur am 12. Dezember 2008 veröffentlichten Instruktion „Dignitas Personae“.
Kolpingjugend hilft mit 19.000 Euro Simbabwe-Projekt
„Die Hilfe für das aktuell erheblich von Krisen gebeutelte südafrikanische Simbabwe ist dringend notwendig“, betonte Steffen Flicker, Diözesanvorsitzender des Kolpingwerks, bei der Übergabe eines Schecks in Höhe von 19.000 Euro an Jesuitenpater Heribert Müller aus Simbabwe.
Abgeltungssteuer und Kirchensteuer
Mit Wirkung zum 1. Januar 2009 wird die Besteuerung von Kapitelerträgen neu geordnet und sowohl für den Steuerbürger als auch für die Finanzverwaltung vereinheitlicht und vereinfacht.
Stellenangebot Ausbildungsberufe
Das Bischöfliche Generalvikariat Fulda stellt zum 1. September 2009 Auszubildende für die Berufe Bürokommunikation bzw. Verwaltungsfachangestellte/r ein.