Paulus als Wegbegleiter des priesterlichen Lebens

Bischof Algermissen weihte drei junge Männer zu Priestern
Bischof Heinz Josef Algermissen (Zweiter von rechts) mit den Neupriestern Andreas Schött, Jürgen Kämpf und Holger Heil (v. li.); Bild: Ulrich Dölle

Fulda/Hanau/Marburg/Kassel (bpf). Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes hat Bischof Heinz Josef Algermissen am vergangenen Sonntag im Hohen Dom zu Fulda drei bisherige Diakone zu Priestern geweiht. Es sind dies: Holger Heil (Pfarrei St. Nikolaus u. Valentin, Steinhaus), Jürgen Kämpf (Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Zella/Rhön) und Andreas Schött (Pfarrei St. Peter und Paul, Dermbach). Dabei betonte der Bischof vor allem, daß das Weiheversprechen der drei jungen Männer der „rote Faden“ ihres priesterlichen Lebens sein müsse und bezog sich dabei auf ein Wort des Apostels Paulus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“. Von diesem Glaubensansatz her werde man auch verstehen können, warum die Kirche im Laufe der Tradition von einem „unaustilgbaren Charakter“ gesprochen habe, der einem Christen mit der Priesterweihe eingeprägt wird. Es bedeute die unaustilgbare Zugehörigkeit zu Christus.

 

„Und das heißt auch, daß der Priester in den heiligen Zeichen nur geben kann, was er aus sich nicht zu geben imstande ist. Es ist vielmehr immer Christus selbst, der in den Sakramenten durch endliche Menschen handelt. Eben dies kommt zum Ausdruck im sakramentalen Zeichen der Priesterweihe“, so Bischof Algermissen. Die Weihe wolle verdeutlichen, daß Christus selbst die Mitte der Kirche sei, ihr Fundament und ihr Zentrum, und zwar in der Kraft und Gestalt des Heiligen Geistes.

 

Angesichts der für ihre priesterliche Existenz notwendigen Verbindung und freundschaftlichen Nähe zu Christus, gab der Bischof den drei Weihekandidaten einen Wegbegleiter auf den Weg, an dessen Hand sie sicher seien und je neu Orientierung finden könnten: den Apostel Paulus, dessen 2000-Jahrfeier seiner Geburt die Christen begehen. Beeindruckend sei die Art und Weise, wie Paulus Christ geworden sei. Auch vor seiner Bekehrung sei er keineswegs ein Mensch gewesen, dem Gott nichts bedeutet und der seinem Gesetz fern gestanden hätte. Er war vielmehr ein strenggläubiger Jude. Infolgedessen habe er den neuen Glauben der Christen, bei dem nicht so sehr das Gesetz Gottes, sondern die Person des gekreuzigten und auferstandenen Christus im Mittelpunkt steht, als für den jüdischen Gottesglauben nicht annehmbar, sondern skandalös beurteilt. Von daher fühlte er sich verpflichtet, die Anhänger Jesu Christi zu verfolgen. Dies änderte sich blitzartig mit dem Erlebnis vor Damaskus, als Paulus Christus begegnete und von seinem Licht berührt wurde. Mit dieser Schlüsselerfahrung habe er sich ganz auf die Seite des gekreuzigten und auferstandenen Christus und sein ganzes Leben in den Dienst der Verkündigung seines Evangeliums gestellt.

 

„Der radikale Seitenwechsel im Leben des Paulus enthält auch für uns eine befreiende Botschaft: Wenn der Auferstandene den Christenverfolger Saulus sogar zu seinem Apostel berufen und ihm den neuen Namen Paulus gegeben hat, dann ist es evident, daß es bei Christus keine hoffnungslosen Fälle gibt. Mag ein Mensch noch so tief gefallen sein – er kann eigentlich nie tiefer fallen als in die ausgebreiteten Arme und auffangenden Hände Jesu Christi“, stellte der Bischof heraus. Was Paulus vor Damaskus erfahren habe, wurde nachher zum Inhalt seiner Verkündigung: nämlich die Gnade Gottes, die die Menschen einlade, sich mit Gott, mit sich selbst und den anderen Menschen zu versöhnen. Paulus war überzeugt, daß diese Botschaft eine universale Bedeutung hat und alle Menschen angeht.

 

Paulus sei es entscheidend darauf angekommen, Jesus Christus in den Mittelpunkt des eigenen Lebens zu stellen und ihn zu den Menschen zu tragen. Darin bestehe die neue Ausrichtung seines Lebens nach der Bekehrungserfahrung vor Damaskus: Wer von Christus gerecht gemacht werde, d. h. angenommen ist, lebe nicht mehr für sich selbst. Er lebe vielmehr mit Christus.

 

Eine weitere Kirchenerfahrung des Paulus zeige, daß man Christus und Kirche nicht voneinander trennen könne – wie ein Slogan vorgab, der vor einigen Jahren Mode war: „Jesus ja – Kirche nein“. Zwischen Christus und Kirche könne es keinen Widerspruch geben, - trotz der vielen Sünden der Menschen, die die Kirche bilden. Der Völkerapostel bezeichne die Kirche vielmehr als „Leib Christi“, dem alle Getauften zugehören und bei dem alle mitwirken zu ihrer Auferbauung. Die tiefste Wurzel dieser Vorstellung der Kirche als „Leib Christi“ liege für Paulus dabei in der Eucharistie als dem Sakrament des Leibes Christi, in dem Christus seinen Leib verschenkt und den Menschen so sehr zu seinem kirchlichen Leib umwandele, daß die Eucharistie der immerwährende Entstehungsort der Kirche ist. Denn alles kirchliche Leben gehe von der Eucharistie aus und sammele sich wieder um den Altar Jesu Christi herum.

 

Abschließend appellierte Bischof Algermissen an die Weihekandidaten, sich vom Hl. Paulus je neu zu diesem Geheimnis der Kirche führen zu lassen. „Priesterliches Leben entartet nur dann nicht zu einem Leerlauf, wenn es vom Altar her verstanden wird, im Gebet und in der Feier der Hl. Eucharistie seine bergende Mitte findet.“

 

Der Domchor Fulda und der Jugendkathedralchor unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber sangen in dem Gottesdienst Chorsätze aus der „Messe in D“ von A. Dvořák sowie weitere Chorsätze von G. Fauré und W. A. Mozart. Hinzu kamen weitere Choräle im Wechsel mit der Gemeinde. Die Orgel spielte Domorganist Prof. Hans-Jürgen Kaiser.

23.06.2008

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