Stellungnahme zur Diskussion um weitere verkaufsoffene Sonntage

Die in Fulda und Petersberg neu entfachte Diskussion um weitere verkaufsoffene Sonntage veranlaßt mich, ein deutliches Wort zur Verteidigung der Sonntagskultur und gegen die weitere Kommerzialisierung des Lebensalltags der Familien und der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu sagen.

Die Forderung von Geschäftsinhabern und lokalen Politikern im Fuldaer Stadtumland nach einer erneuten Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage verstärkt die Tendenz, den Schutz der Sonntagsruhe weiter aufzuweichen. Diese ist nicht allein ein Anliegen der Kirche, sondern kommt als kulturelles Erbe aus dem Christentum allen Bürgerinnen und Bürgern und ihren Familien zugute. Der Sonntag darf mit seinen Werten und seiner freien Zeit für ein gemeinsames Familienleben aller nicht wirtschaftlichen Sonderinteressen geopfert werden. Die Kirche trägt durch ihren Einsatz für den Schutz des Sonntags dazu bei, daß ungezügelte Wirtschaftsinteressen nicht den Anspruch der Bürgerinnen und Bürger auf seelische und körperliche Erholung, Freizeit sowie einkaufs- und streßfreies Familienleben überlagern. Diesem Ziel kommt die vom Fuldaer Bürgermeister Dr. Dippel geäußerte Forderung nach nur noch zwei verkaufsoffenen Sonntagen näher als die in Petersberg geäußerten Bestrebungen nach Ausschöpfung aller derzeit gegebenen Öffnungsmöglichkeiten.

Die Feier des Sonntags ist, wie Bischof Heinz Josef Algermissen deutlich gemacht hat, eine große Tankstelle für Lebenskraft und Lebensmut, die uns in unserem Alltag oftmals abgehen. Wenn wir also Sonntag und Alltag nivellieren, fehlt am Ende die Quelle, aus der wir leben können.

Besonders die Christen sollten ernsthaft prüfen, ob sie sich nicht zur Pflege des christlichen Sonntags in den Familien künftig weigern müßten, am Sonntag einen offenen Laden zu betreten.


Prälat Peter-Martin Schmidt,
Generalvikar des Bistums Fulda

26.08.2008

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