„Ein Weg entsteht im Gehen“

Weihbischof Diez eröffnete mit Propst Pauli ökumenischen Jakobsweg

Fulda (bpf). „Ein Weg entsteht im Gehen: dies gilt auch für den neuen Jakobsweg von der Fulda an den Main“, so Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez am Samstag in Fulda. In einer ökumenischen Andacht in der altehrwürdigen Michaelskirche zu Fulda, die der Weihbischof zusammen mit Propst Gerhard Pauli (Hanau) aus Anlaß der Eröffnung des 140 km langen, bis nach Frankfurt reichenden ökumenischen Jakobsweges feierte, erinnerte Diez daran, daß der Pilgerweg erst dadurch, daß er in ökumenischer Verbundenheit wirklich gegangen werde, erst entstehe. An diesem Tag wurde der Jakobsweg in seiner ersten Etappe bis Flieden (25 km), eröffnet.

 

Es treffe sich sehr gut, daß der Weg in der Michaelskirche beginne, unterstrich der Fuldaer Weihbischof bei der Begrüßung der Pilger. Der Kern des Gotteshauses, der untere Teil des Rundbaus mit der Krypta, wurde, wie Diez in Erinnerung rief, bereits in karolingischer Zeit von 820 bis 822 errichtet und sei somit eines der ältesten erhaltenen und datierbaren Baudenkmäler aus christlicher Frühzeit in Deutschland. Die Michaelskirche diente ursprünglich als Totenkapelle für den hier angelegten Mönchsfriedhof des Benediktinerklosters. „Sie steht, in tiefer symbolischer Ausdeutung, für den Weg des Lebens durch die Geschichte, für den Weg der Verheißungen Gottes, in seine Zukunft des ewigen Lebens.“

 

Da die Menschen Christus brauchten und nicht etwas, das ihm gleiche, beließen Gottes Verheißungen den Menschen nicht in dem, wo er immer schon lebe, sondern fordere heraus, im Glauben nicht nur einzelne Haltungen und Tugenden anzunehmen, sondern „das ganze Leben auf Gott hin aufzubrechen“. Die Verheißung, so Diez weiter, mit der Gott zum Aufbruch einlade, sei die Gabe neuen Lebens, das den Tod überlebe. Abraham habe im Alten Testament als das biblische Urbild des Glaubens und des Aufbrechens gegolten. Seine „atemberaubende Geschichte mit Gott“ beginne mit der Weisung des Herrn, wegzuziehen in ein fernes, ihm unbekanntes Land. Mit Abraham wolle Gott eine neue Geschichte des Heiles und des Segens für sein Volk Israel beginnen. „Ganz knapp und bestimmt fordert Gott Abraham dazu auf, seine Familie, sein Land und seinen ganzen Besitz – kurz alles, was ihm wichtig ist, zu verlassen und in ein Land zu ziehen, das er ihm zeigen will“, stellte der Weihbischof heraus. Eigentlich seien das für einen Menschen hohen Alters, wie Abraham es schon erreicht hatte, ein hoher Anspruch und eine physische und seelische Belastung, ja fast eine Zumutung gewesen. Dennoch habe er sich auf den Weg gemacht aus einer einzigen Motivation heraus: „Er glaubt dem Ruf Gottes. Er vertraut darauf, daß diese Weisung des Herrn in eine großartige Verheißung und Erfüllung mündet.“ Das unterscheide Abraham von jeder Abenteuerlust, von jedem selbst gewählten Schicksal, das Leben irgendwo anders neu zu beginnen. Er sei kein „Auswanderer“, sondern breche auf, weil er von Gott gerufen sei und darauf mit gläubigem Vertrauen antworte. „Er wird zum Vorbild, zum Urvater des Glaubens und zum Segen für die, die nach ihm kommen“, machte Diez deutlich.

 

Auch die Pilgerinnen und Pilger, die in ökumenischer Verbundenheit ein Stück des Jakobsweges von der Fulda an den Main gingen, hätten für ihren Aufbruch das gleiche Motiv, nämlich den Glauben, auch wenn dieser Aufbruch nicht von so existentieller Natur sei wie der des Urvaters Abraham und das Etappenziel klar festgelegt sei. „Dennoch: Aufbrechen ist eine Grundbewegung des Glaubens“, hob der Weihbischof hervor. „Wer aufbricht, bleibt nicht in alten Gewohnheiten oder Verstrickungen stehen. Wer aufbricht, wagt mit Gottes Hilfe etwas Neues, sucht in tiefer Sehnsucht letztlich Gott selbst. Wer glaubt, begreift sein Leben nicht einfach als Schicksal oder als Spielball der Natur; er weiß um die tragende Achse zwischen ihm und Gott.“ Für sich selbst erhofften sich die Pilger, nicht nur äußerlich weiterzukommen und eine bestimmte Kilometerleistung zu erfüllen, sondern es gehe um ein innerliches Weiterkommen, ein Voranschreiten auf dem Glaubensweg, um ein Wachsen der Beziehung zwischen Gott und einem selbst.

02.09.2008

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